Sehr geehrtes GMGV-Mitglied,
lange haben Sie vom Sachstand der Aktivitäten des Vorstandes in der Angelegenheit „Schlossparksanierung" wenig gehört. Seinen Grund hatte diese Stille darin, dass zu Beginn des vom Rat der Stadt Moers am 16.Jan.2025
beschlossenen Moderationsverfahrens deutlich, unter anderem von der Verwaltungsspitze, eingefordert wurde, dass die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit ausschließlich über den Moderator Jens Stachowitz erfolgen solle, um den Ablauf der Moderation ungestört verlaufen zu lassen.
Indes hat die Stadtverwaltung zur Überraschung der weiteren Beteiligten des Moderationsverfahrens (Moderator, Bürgerinitiative B.A.U.M. und GMGV) am 8.September 2026 eine Beschlussvorlage an den ASPU in das öffentlich zugängliche Ratsinformationssystem „RIS“ eingestellt, der sämtliche Protokolle aller vier Zusammenkünfte im Moderationsverfahren angefügt waren. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung für den ASPU geht dahin, bereits jetzt mit Beginn der am 1.Oktober beginnenden Fällsaison den 1. westlichen Bauabschnitt mit Fällung von 6 Bäumen umzusetzen. Die Fällung der 6 von insgesamt 12 Bäumen in diesem westlichen Bauabschnitt war zwar von den Beteiligten im Termin am 10.Juli 2026 unstreitig gestellt worden. Dennoch ist diese Vorlage weder mit den vereinbarten Kommunikationsbeschränkungen noch mit den außerordentlichen Ratsbeschlüssen vom 16.Januar 2025 in Einklang zu bringen, die im Wesentlichen folgendes beinhalteten:
Sämtliche (Anmerkung: noch mit Ratsbeschluss vom 04.12.2024 bestätigten!) Baumfällungen werden sofort eingestellt. Im Rahmen weiterer Workshops unter Beteiligung der das Vertrauen der Bürgerinitiative (BI) und des GMGV genießenden fachkundigen Vertreter/-innen sollen die streitigen Bäume neu bewertet werden, um möglichst vor der Sommerpause (ergänze: 2025!) ein überarbeitetes Konzept zu erarbeiten. Der Prozess soll möglichst mit externer Begleitung stattfinden und mit einer Bürgerversammlung abschließen.
Nach der Beschlussvorlage soll aber nun bereits vor Abschluss des Moderationsverfahrens - der 4. und voraussichtlich letzte Termin ist erst auf den 13.Oktober 2026 terminiert - im laufenden Verfahren und vor der vom Rat beschlossenen abschließenden Bürgerversammlung für Teilbereiche ein Fällbeschluss vom ASPU getroffen werden. Als Begründung für dieses Abtrennen und Vorziehen der Umsetzung des 1. Bauabschnittes wird ausgeführt, dass bei einer Verzögerung der Entscheidung - die nächste ASPU-Sitzung steht im November 2026 einen Monat nach Abschluss des Moderationsverfahrens an - sich die Maßnahme angeblich um ein Jahr verzögere.
Wie dem auch sei… Die öffentlich gemachte Vorlage mit ihren Anlagen macht in Abstimmung mit dem Moderator den Weg frei für einen kurzen Rück- und Ausblick:
Erst ein ganzes Jahr nach diesen Beschlüssen des Moerser Rates fand dann am 16.01.2026 der erste Termin mit der externen Begleitung, dem von der Stadt beauftragten Moderator Jens Stachowitz, statt.
Weitere Termine im Moderationsverfahren fanden am 24.02. und 08.05.2026 statt. Diese drei Termine erstreckten sich jeweils über mindestens 5 Stunden und waren geprägt durch Referate der von der Verwaltung beauftragten Fachleute vornehmlich zu den Themenkreisen denkmal- und zukunftsgerechte Gestaltung von Parkanlagen. Sehr früh und wiederholt machten die GMGV-Vertreter/-innen (Brandstädter-Tacke, Fechner, Boschheidgen, Hüttner, Koch und Dr. Scholten) unterstützt von den BI-Vertreter/-innen (Josten, van der Zwaag, Springer und Rumolo) geltend, es möge doch endlich zu den Neuanpflanzungen kommen und eine Begehung der streitigen Bäume im Schlosspark sei dringend angezeigt, zumal die eher von der Theorie geprägten Vorträge konkret für die vom Rat vorgegebene Neubewertung der Bäume keinen Fortschritt erkennen ließen.
Am 10.Juli 2026 war es dann soweit: 52 Bäume wurden von der BI B.A.U.M.(Josten und van der Zwaag), der Verwaltung (Dabrock bis 20:30 Uhr, Makrlik), dem GMGV (Dr. Scholten, Hüttner, Boschheidgen für den erkrankten Koch), Landschaftsplaner Ehrig unter der Leitung des Moderators Stachowitz über 5,5 Stunden begangen. Von 75 auf 52 Bäume (einschließlich 3 an Diplodia erkrankten Schwarzkiefern) konnte die Begehung reduziert werden, weil im Vorfeld sowohl die Verwaltung auf die Fällung gesunder, streitiger Bäume als auch GMGV und BI auf den Erhalt mehr oder weniger stark vitalitätseingeschränkter Bäume verzichtet hatten. Die Begehung fand in sachlich konstruktiver Atmosphäre statt mit folgendem Ergebnis: 17 zur Fällung vorgesehene Bäume bleiben im allseitigen Konsens erhalten. 27 zur Fällung seitens der Verwaltung vorgesehene Bäume sollen nach Meinung der BI und/oder dem GMGV erhalten bleiben, darin 23 Bäume, bei denen BI und GMGV einvernehmlich für den Erhalt eintreten. 31 mehr oder weniger stark vitalitätseingeschränkte Bäume, darin enthalten nicht begangene Bäume auf deren Erhalt bereits (ebenfalls wegen mangelnder Vitalität) im Vorfeld verzichtet wurde, die mit Zustimmung von BI und GMGV gefällt werden können.
Die Begehung vom 10.Juli 2026 brachte eine begrüßenswerte Fokussierung auf den Kern der Ratsbeschlüsse vom 16.Januar 2025: Welche der streitigen Bäume im Schlosspark aus welchen sachlich ausgetauschten Gründen gefällt oder erhalten bleiben sollen.
Pointiert spitzte sich hier die Diskussion gegen Ende der Begehung nochmals am Rondell des Zentralplatzes zu: Landschaftsarchitekt Ehrig plädierte für die Abholzung aller 7 dort im Streit stehenden vitalen, alten, schattenspendenden, in einem südlichen Halbkreis angeordneten Bäume (siehe angefügtes Foto von Dr. Scholten aus August 2026), um dort nach Weyheschem Vorbild einheitlich ein Lindenrondell mit jungen Bäumen anlegen zu können und erhielt Unterstützung von der Stadtverwaltung. Dem hielten die Vertreter der BI und des GMGV vehement entgegen, den vorhandenen alten Baumbestand zu erhalten, weil er aus ästhetischen, ökologischen und Gründen der Aufenthaltsqualität unersetzlich an diesem Ort sei und zudem ein Lindenrondell historisch dort gar nicht nachweisbar sei. Ein Kompromissvorschlag von GMGV und BI, nach dem der nördliche freie Halbkreis am Rondell jetzt mit Linden bepflanzt werden könnte und im Falle des Abgangs alter Bäume im südlichem Halbkreis dort (ggfs. ausgewachsenere) Linden nachgepflanzt werden sollten, wird von der Stadtverwaltung geprüft.
Ein weiterer Diskussionspunkt wird die Wegeführung sein: Ein vom Rondell westlich wegführender Weg soll zurückgebaut werden und durch einen etwas weiter nördlich am Musenweg vorbeiführenden Weg ersetzt werden. Die Anlage dies neuen Weges erfordert die Fällung zweier gesunder alter Bäume. Diese Maßnahme erscheint hinterfragenswert.
Soviel in aller Kürze. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Mit besten Grüßen
Peter Boschheidgen
-für den GMGV-Vorstand-
